Heute morgen drängte mich meine innere Stimme wieder zum Berg zu fahren. Um 8.00 Uhr morgens war ich der einzige Mensch dort.
Ich machte mich auf, weil ich dachte ich würde heute die Göttin treffen, in welche Form auch immer.
Räucherwerk habe ich mitgenommen.
Es war so nebelig, der Weg war kaum zu erkennen.
Mein Körper wollte laufen, laufen . Doch mein Kopf hatte lauter Einwände. Das ist anstrengend, mach eine Pause. Als ich anhielt, trieb mein Körper mich weiter. Und dann blieb ich stehen ... Meine Füße lenkten mich vom vorgegebenen Weg ab, mein Kopf hielt Szenarien von Abstürzen und Brüchen bereit . Ich blieb auf dem Wanderweg. Es fiel mir schwer meine Gedanken bei meine Füßen zu halten. Schritt für Schritt. Ein innerer Kampf, der mich so beschäftigte, dass ich nur meine lautes Atmen und Stampfen hörte.
Als ich total ausser Atem war, blieb ich stehen. Ich hatte die halbe Berghöhe erreicht. Rundherum Nebel. Wie Riesen schauten Windräder aus dem Nebel. Sie drehten sich unaufhörlich. Ein heller Streifen Licht kämpfte sich durch den Nebel. Die Sonne schickte ihre ersten Strahlen.
Ich kam zu Atem und nahm die Aussicht in mich auf. Atmete sie ein. Lies sie auf mich wirken.


Später ging ich weiter zu einem abgelegen Aussichtspunkt. Es drängte mich den Weg zu verlassen und einen schmalen Weg am Bergrand zu folgen. Ich musste mich konzentrieren nicht abzurutschen.
Und dann stand ich am äußern Rand des Berges. Wenn ich nach Nordwesten schaute, sah ich das riesige Industriegebiet, Baustellen für Umgehungsstraßen die in das Feld gegraben werden. Eine Siedlung, die größer ist, als ich sie mir beim Durchfahren vorgestellt habe . Drehte ich mich nach Südosten, sah ich Bäume, Felder einen See den ich von unten nicht hatte sehen können. Ein Reiher zog seine Kreise.
Der schmale Weg ging noch ein Stück in ein Birkenwäldchen. Eine Feuerstelle. Ich entzündete mein mitgebrachtes Räucherwerk und wartete.
Nach einer Weile wurde ich unruhig. Wie lange dauert es bis so ein Räucherstäbchen abgebrannt ist.
Kein Tier war zu hören oder sehen. Auch der Reiher war fort.
Es war still. Bis auf den Baulärm der Brückenbaustelle und der Arbeitslärm aus dem Industriegebiet.
Ich dreht mich weg und hörte auf die Stille.
Sie machte mich nervös.
Ich schloss die Augen.
Nachdem das Räucherstäbchen verlosch ging ich den schmalen Weg zurück und machte mich auf das letzte Stück bis zum Bergplateau.

Ein mit Steinen verlegter Weg führt steil zwischen zwei aufgeschütteten Halden aus schwarzen Steinen. Noch nie sind diese beiden Wegeinfassungen mir so riesig und erdrückend vorgekommen.
Und ich fühle eine so männliche Kraft, Hitze, Schweiss, Angst und Stolz. So als wäre ich von vielen
Männern umgeben. Die Traurigkeit war so spürbar. Körperlich .
Dann war dieser Moment vorbei. Ich setzte meinen Weg fort.

Auf dem Bergplateau angekommen erwartete mich die Sonne in ihrer vollen Kraft.


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