In dieser Woche habe ich wieder einen Punkt meine 101 Dinge Liste
geschafft.

Listenpunkt 42

B.S. und ich haben uns getroffen. Dabei sah es schon fast so aus, als ob es schon
wieder nicht klappen würde.
Donnerstag sollte unser Tag sein und am frühen Morgen, die Kinder waren
in Schule und KiGa , rief sie an um abzusagen. Ihr Chef wäre krank und sie
müsse einspringen. Er hatte sie am Abend vorher angerufen.
Schade, aber da kann man nichts machen.
Eine halbe Stunde später, eigentlich hätten wir uns genau in diesem Moment
getroffen, rief sie an . Ob ich den Vormittag schon verplant hätte, denn ihr
Chef hätte sich gerade gemeldet, sie brauche nur auf Abruf ...

Eine halbe Stunde später war ich bei und es wurde ein langer Vormittag.
Für mich ist es eine Reise in die Vergangenheit. Als ich noch in dem
kleinen Dorf gewohnt habe, waren unsere Töchter wie Zwillinge, Nicht
auseinanderzubringen und sahen sich so was von ähnlich, dass wenn sie
die gleichen Klamotten trugen, Fremde davon überzeugt waren.

Da sass ich nun in ihrer Küche, wie früher und nachdem wir uns auf
den neuesten Stand gebracht hatten, kamen wir auch auf meine ge-
scheiterte Ehe, dem Verhältnis Vater-Kinder usw. zu sprechen.
Für mich sind solche Treffen immer sehr emotional. Sie ist tatsächlich
noch immer glücklich mit ihrem Mann verheiratet .
Sie lebt in ihrem Haus, dass mein "Mann" damals mitgebaut hat.
Wehmütig und auch ein wenig neidisch schaue ich auf ihr Leben.
Fühle meine eigenen Unzulänglichkeit. Damals vor 25 Jahren habe ich
tatsächlich gedacht, diese Ehe ist " bist das der Tod uns scheidet" .
Heute ist es so, dass der Vater meiner Kinder, mit mir noch nicht einmal
spricht. Weder über die Kinder, noch über Vergangenheit. Ich bin
für ihn nicht vorhanden. Mit den Kindern trifft er sich hin und wieder.
Wenn ich ihn anrufen, ruft er auch zurück. Aber sollte ich versuchen,
nicht über die Kids zu sprechen, bricht er das Gespräch ab .
Vor zwei Jahren hab ich ihn mal in Aachen zufällig getroffen
und spontan gefragt, ob wir einen Kaffee zusammen trinken. 
Kein Lust, war seine Antwort.
Mit diesem Mann habe ich 18 Jahre zusammengelebt, Tag und
Nacht, da wir einen Familienbetrieb hatten.
Manchmal frage ich mich warum er so abweisend ist.
Er ist seit 8 Jahren mit unserem Trennungsgrund zusammen. Er
ist gegangen.
Ob ich es jemals schaffe, nicht mehr zu trauern, über das was ich,
und auch die Kinder verloren haben ?

Heute bin ich in einer neuen Beziehung. Wir haben ein gemeinsames
Kind. Wir leben nicht zusammen, das hat seine Gründe. Aber ich bin
glücklich.
Doch die Altlasten lassen mich nicht los.

Die Eltern von B. kamen vorbei und ich durfte erfahren, was es heißt,
mit einem dementen Vater zusammen zu leben. Er, den ich nur als super-
korrekten, schnell aufbrausenden Mann kennengelernt habe ist durch
die Krankheit ein ruhiger Mann. Die Mutter erzählt wie schlimm es
für sie ist, wieder ein "Kind" zu haben. Die Tochter erzählt, wie der
Vater zu ihr flüchtet, wenn die Mutter " drauf" ist. Die Liebe der
beiden Frauen für diesen Mann ist spürbar. Und die Traurigkeit. Und
dann gab es noch die Geschichte von der 9-jährigen Tochter, die
nicht alleine bleiben möchte, wenn ihre Eltern und Großmutter mit
dem Karnevalsverein unterwegs ist. Sie passt dann auf den Opa auf.
Und der Opa noch ein wenig auf sie.


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