Verwandtschaft

So ist das mit der Familieforschung.
Da stellte die große Tochter gestern fest, dass sie die Tante 3.Grades ihrer Freundin ist, die
drei Wochen nach ihr geboren wurde.
Wer hätte das gedacht, in einem Dorf mit 1200 Seelen, dass sich die Wege so kreuzen. Aber
auch mit ihren Friseur ist sie verwandt. Ganz schön überraschend für eine 15jährige, die
sich bisher nicht mit dem Thema beschäftigt hat.
Und jetzt hat die Mutter den "Auftrag" bekommen, herauszufinden, ob eine ganz bestimmte
Familie aus einem anderen Nachbardorf etwa auch mit ihr verwandt ist.

Ich finde das ganz spannend.
Dorfgeschichten. Netze. Verbindungen.

Was ich noch besser finde ist, dass die Oma meiner Tochter diese ganzen Verbindungen,
Herkünfte im Kopf hat.
Vor knapp 20 Jahren habe ich mit diesem Hobby angefangen.
Damals sass ich oft bei meiner Schwiegermutter mit einem oder mehreren Blättern und
einen Stift bewaffnet, wenn sie loslegte.

Also - dat Hildegard von hinten, ist ja eine geborene J... und deren Vater ist der Bruder 
von meinem Mann seinem Onkel ...

Ne, mit den J... haben die nichts zu tun. Die kommen von ... und die Tochter von denen
hat ja den ... geheiratet und dem sein Sohn ist ...

Wie ich das geliebt habe und immer noch liebe, auch wenn unser Kontakt mehr als
eingeschlafen ist.
Das waren gute Zeiten in Zusammenleben mit der Großfamilie. Und wenn ich daran
denke, dann fällt es mir schwer, mir vor Augen zu halten, dass ich von ihren Kindern
vor zwei Jahren gesagt bekam " Du gehörst nicht mehr zur Familie " und ich
deswegen den Kontakt abgebrochen habe.

In meinem Chor ist eine Sängerin ( ca. 70) die hat meinem Opa als junges Mädchen
immer im Elektrogeschäft ( das ich aus meiner Kindheiterinnerung noch kenne)
bedient. " Das war so ein netter, dein Opa " erzählte sie mir letzte Woche bei der
Probe. " Deine Oma ist ja nie vor die Türe, der hat ja alles erledigt " 
Ich kenne nicht viele Geschichten vom Vater meines Vaters, da meine Eltern nie
über Opa gesprochen haben und meine Mutter so von Hass erfüllt ist, was meine
Oma angeht.
Da bin ich immer dankbar, wenn ich zufällig auf Zeitzeugen treffen, die, nachdem ich
meinen Mädchennamen wieder angenommen habe, mich erkennen als die Enkelin vom
Schmuggler Peter, der damals nach dem Krieg bekannt wie ein bunter Hund war.
" Und fleißig " , erzählt mir Hans Sch., der , wie er immer so schön sagt, mich kennt
seitdem ich mit Zöpfen und Ranzen die Straße runter kam und zur Schule ging.
"Der hat immer nur gearbeitet ", als Maurer, Bergmann usw.
Schade das ich ihn nicht kennengelernt habe. Er starb als ich acht Jahre alt war, nachts
an Herzinfarkt. Wie mein Vater, aber der ist eine andere Geschichte.

Kommentare

  1. Magste ein Stöckchen haben?:
    http://www.wassergefluester.de/11-fragen-stockchen/

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  2. Danke Nenya fürs Stöckchen, wird ein paar Tage dauern, aber ich nehme es gerne auf.

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