Ein neuer Tag

Heute ist ein neuer Tag, die dunklen Stunden des gestrigen hängen noch ein wenig nach,
doch habe ich sie auch nutzen können um mir Gedanken zu machen.
Vor der Fastenzeit hätte ich die schlechten Gefühle mit Essen betäubt, aber irgendwie
klappte das gestern nicht, was mich freute.

Es ist so, dass ich tatsächlich zur Zeit mein ganz Leben mal wieder in Frage stelle.
Oder zu mindestens große Aspekte meines Lebens.
Da ist immer noch der Traum vom eigenen Garten, vielleicht mit Haus. Ich hatte
mir vor einiger Zeit vorgenommen, diesen Traum nicht mehr zu träumen, aber er
kehrt immer wieder mit voller Wucht zurück.

Meine Lebensuhr tickt an manchen Tagen so laut in mir, dass ich Panik bekomme,
dass es zu spät ist. Und dann wiederum denke ich, stress Dich nicht ab, das wird
kommen.

Ich schaue zurück und es fällt mir schwer zu sehen, was ich erreicht habe.
Übergroß die Bilder von dem was verloren.
Ich fühle mich durch die räumliche Enge so abgeschnitten von meiner Kreativität.
Nirgendwo ein Platz an dem ich mich lassen kann, weil alles immer aufgeräumt
werden muss . Die Arbeit, die ich tun kann, ist am frühen Nachmittag geschafft.
Mit Haus und Werkstatt war rund um die Uhr zu tun.
Ausgebremst durch Lebensumstände, die ich nicht mehr ändern kann.
Vorbei.

Ich schaue nach vorn und sehe die finanzielle Begrenzung,die es mir einfach nicht
möglich macht, an meinen Traum glauben, dass was verloren
 - Haus, Hof,Garten - wieder aufzubauen.
Gute Freundinnen versuchen Trost zu spenden .
Fühle mich wie ein Teenager der darüber nachdenkt, was sie alles tut, wenn sie
erwachsen ist und Geld verdient und bin gleichzeitig die bremsende Mutter, die
mir sagt: Wart erst mal ab, wie soll das gehen ?

Immer wieder schaue ich mich um, suche Möglichkeiten.
Thema Garten: Meine Mutter (76) hat einen,der ihr langsam zu viel wird, aber
mit mir teilen will sie ihn nicht. Sie pflegt ihn so, wie sie es mit meinem Vater
(vor 12 Jahren verstorben) gemacht hat und da passe ich nicht rein.Nur als Besuch
mit den Kindern oder allein. Aber nicht als schaffende.
Die nächstmögliche Schrebergartenkolonie 12 km entfernt. Wie hinkommen ohne
Auto. Mit Kleinkind usw. auf dem Rad. Hab ich ausprobiert, ist nicht Alltagstauglich.
Balkongarten: ein kleines Pflaster auf der Wunde, aber immerhin.

Über meine finanzielle Begrenzung zu sprechen tut nicht Not, da hat jeder seine
Probleme und durch Klagen ist sie bei mir noch nicht besser geworden.
Aber sich arm zu fühlen, ist kein schönes Gefühl. Abgeschnitten von der Außenwelt
wäre es ein leichteres damit zu leben, aber mit Halbwüchsigen ein schwieriges Unter-
fangen.

Auch Freundschaften sind verloren gegangen, viele.
Neue beginnen zu wachsen.
Die alten Freunde, die die gleiche Kreativität und Lebensinhalte lebten, fehlen schmerzlich.

Und so blättere ich in meinen alten Gartenbüchern mit Themen wie Selbstversorgung ,
Bio - oder Bauergarten und überlege, was kann ich neues tun, damit ich wieder zufrieden
werde in meinem Leben.

Wenn ich neuen Freunden von meinem alten Leben erzähle, hört es sich für sie an, als hätte
ich im Paradies gelebt. In meinen Ohren auch.

Wenn es dass Paradies gewesen wäre, hätte ich versucht es zu erhalten.
War es aber nur im Rückblick.


Kommentare

  1. Liebe Sammlerin,

    diese Phasen der Unzufriedenheit können auch, denke ich, manchmal die nötige Energie liefern, um etwas zu ändern. Was bedeutete es beispielsweise für dich, einen eigenen Garten zu haben? Bedeutet das Freiraum oder eher Unabhängigkeit oder "etwas Sinnvolles mit den Händen machen"? Kannst du diese Dinge auch jetzt in dein Leben integrieren? Nur so ein Gedanke...

    Alles Liebe
    Bodecea

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  2. Hallo Bodecca, was es mir bedeutet einen eigenen Garten zu haben ? Schon als kleines Kind hatte ich bei meinen Eltern ein eigenes Beet. Ich liebe es in der Erde zu wühlen, zu säen, beim Wachsen zuzuschauen und das selbstgezogene Gemüse/Obst zu ernten. Es bedeutet ganz nah an der Natur, an Mutter Erde zu sein. Es berührt meine Sinne, es baut mich auf und macht mich
    zu einem Teil der Natur.
    Ich merke gerade,da könnte ich noch viel mehr zu sagen.
    Danke für Deine Anregung.
    Ähnliche Gefühle habe ich nur beim Wandern im Wald.

    Liebe Grüße
    die Sammlerin

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  3. ...es klingt traurig, das Freundschaften verloren sind...was aber waren das für welche, die einfach sich entfernen, nur weil vielleicht die finanziellen Mittel nicht mehr so üppig sind?

    Gerade in der größten Not verlasse ich einen Freund doch nicht.....im Gegenteil, ich bin doch ein Freund, der bei der Neufindung hilft, ja eben in der Not zur Seite steht, Schade das das nicht mehr allzu vielen etwas bedeutet.....

    So viele dunkle Wolken in Deinem posting,
    ich wünsche Dir frischen Wind und möge die
    Sonne Dir ein paar wärmende Strahlen bringen.....

    Herzliche Grüße
    Silberweide

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  4. Hallo Silberweide, das mit der Sonne und den Strahlen hat ja dann heute gut funktioniert :) Danke.

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