Was sonst noch passiert

Ich hatte ja bereits viel eher damit gerechnet, aber gestern
ist dann mit der Post von meiner Lieblingsbehörde eine
Einladung gekommen
Hört sich nett an . Einladung.
" Ich möchte mich mit Ihnen über ihre berufliche Zukunft unterhalten "

Meine Sachbearbeiterin ist super nett und sehr bemüht.
Und ich habe mir auch brav in den letzten Wochen Gedanken
gemacht was ich tun möchte. Womit ich mein Geld verdienen
möchte . Ich hoffe wir finden etwas, was auch mit der Behörden-
wirklichkeit übereinstimmt.

Im Prinzip bin ich im Moment genau das was ich sein möchte.
Hausfrau und Mutter.
Das lastet mich total aus und macht mich auch glücklich.
Nur, dass ich damit nicht wirklich aus meiner "Bedürftig-
keit" rauskomme.

Bedürftigkeit ... ich habe also Bedarf. Das stimmt.
Bedarf an Euros um meinem Lebensunterhalt und den
meiner vier Kinder zu bestreiten. Denn obwohl einer
Arbeitet und sehr viel Geld zu Hause abgeben muss,
damit die Behörde nicht zuviel zahlt und der andere
mit seinem Bafög und Kindergeld gut studiert, brauche
ich keine Hellseherin sein, um zu wissen, dass zumindestens
ein Sohn über kurz oder lang, weiter zu Hause lebt. Entweder
der Student der mit seiner Regelstudienzeit nicht hinkommt
oder der Auszubildende der nicht übernommen wird.
Also habe ich langfristig sogar viel Bedarf an Geld.

Bewerbungen habe ich schon etliche dieses Jahr geschrieben
und mich gefreut, wenn ich zumindestens eine Absage bekam
oder noch besser, die Unterlagen zurück.
Wieviele in den den Mülleimern deutscher Firmen unserer
Region gelandet sind, weiß ich nicht.

Es gibt auch einen Bedarf an meinem Können. Ich bin
gelernte Legasthenietrainerin und die werden zumindestens
in meinem näheren Umfeld häufiger gefragt.
Der Nachteil - es geht nur als Honorarkraft und das ist
der Behörde wieder zu wenig.

Bleibt also noch mein Können aus den Jahre 1988 - 2004 , lach.
Da habe ich als Bürokauffrau gearbeitet.
Auf die warten jetzt hoffentlich alle. Denn das soll ich machen.

Also bin ich ganz gespannt auf das Gespräch am 20.11.13 .
Vorher hab ich dann noch den Termin beim Zahnchirurgen.
Da mach ich mir aber keine Gedanken.
Und möchte auch keine Horrorgeschichten hören oder
lesen . Es wird schon klappen.
Obwohl ich seit vier Wochen ( bis auf die Untersuchung
letzte Woche) vollkommen schmerzfrei bin. Aber ich
vertraue meinem Zahnarzt.

In der kommenden Woche jährt sich der Todestag meines Vaters
zum 12. Mal . Wahnsinn. In meinem Kopf unterhalte ich mich
so oft mit ihm, dass ich tatsächlich immer wieder rechnen muss.
Er fehlt mir.

Und da ist noch meine Mutter. Die hat auch Bedarf. Und zwar
Tochterbedarf. Sie wird 77 und ist wirklich noch sehr selbst-
ständig. Aber es gibt Situation ( Banken, Versicherungen,
Behörden ) da hat sie großen Bedarf an mir. Sie lebt allein
und möchte Zeit mit mir/uns verbringen. Sie kann auch nicht
wirklich ihre Sprudelflaschen/kästen noch alleine nach Hause
schleppen und ihre Grünabfälle aus dem Garten fährt sie
komischerweise auch nicht mehr mit dem Rad zum Recyclinghof.
Also auch hier besteht Bedarf. Und für diese "Dienstleistung"
werde ich auch nicht entlohnt. Wollte ich jetzt auch nicht,
nicht das mich hier jemand falsch versteht.

Also Bedarf und Bedürftigkeit wohin ich schaue.

Manchmal schaue ich ganz neidisch in Richtung der Kindergarten-
mütter die so Mitte/Ende 30 sind . So das klassische Leben: Mann,
Haus/Wohnung, Kinder, Oma die Kinder hütet damit Mama dazu-
verdienen kann oder Mama geht gar nicht, weil Papa genug für alle
verdient. Hatte ich auch alles mal und dann werde ich echt neidisch.
Und schaue wehmütig auf die "gute, alte " Zeit. Heute bin ich
allein, trotz Wochenendbeziehung. Die meiste Zeit genieße ich
mein Leben, aber wenn dann Post wie o.g. kommt, dann ..

Nein, es ist gut wie es ist. Mit dem Mann, von dem ich mich scheiden
ließ, will ich nicht mehr zusammen sein. Und manchmal frag ich mich
ob hinter der Fassade der anderen auch so viel Unglück und Verlogen-
heit ist, wie das bei uns war. Zumindestens im letzten Drittel unserer
Ehe und wir waren fast zwanzig Jahre zusammen.

Das einzige was ich tatsächlich bereue, dass ich mit Anfang Zwanzig
meinen Beruf für die beruflichen Träume meines damaligen Mannes
aufgegeben habe. Aber das war damals meine Entscheidung. Und damals
fand ich es richtig.

So jetzt genug Geschwafelt.

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