Naturerfahrung und -gewalten

Nein, ich werde jetzt nicht über das gestrige Unwetter, dass uns gestern
schreiben und die üblichen Blitzbilder veröffentlichen.

Und doch muss ich etwas schreiben, denn es war so toll. Da wünsche ich mir,
den Wind, die Elemente zu spüren - erst vor ein paar Tagen - und dann war es mir
gestern aus sicherer Position möglich. Wir gehören zu den glücklichen die keinen
Schaden genommen haben und darum hier doch ein kleiner Bericht, aber ohne
Bilder.

Stürme, Gewitter, Regen ... seit meiner Kindheit liebe ich es sie auf meiner
Haut , an meinem Körper  zu spüren. Wohl gemerkt, aus einer sicheren Position.
Fasziniert ist die ganze Familie. Der Älteste studiert Meterologie und Geophysik,
das dritte Kind liebäugelt auch mit dem Studium. Sie ist jetzt in der 11.
Also wenn so ein Wetter aufzieht, dann sind wir draußen. Vor dem Haus oder
auf dem Balkon.
Gestern also erst mal den Balkon sturmsicher gemacht und dann alle Fenster auf,
bis das der Regen kam.
Die Nachbarn kennen das schon, sie drinnen, wir draußen. Ich dann noch mit der
Kamera. Fotos von Wolken usw machen.
Gestern ging gar nichts. Zu schnell, zu dunkel. Und so blieb die Kamera drinnen.
In Sicherheit. Ich hatte mich auf den Balkon gestellt, 1.Etage.
Ich sah , wie der Himmel sich gelb-grün und dann schwarz verfärbte. Der Wind
peitsche die Bäume, teilweise bis zu Erde. Selbst auf dem überdachten Balkon
zerrte er an meinen Haaren und dem T-shirt.  Äste flogen umher, Spielzeug.
Hier ein Krachen und dann dort. Riesige Bäume fielen einfach um.  Zum Glück
nahm niemand schaden. Die Elemente tobte. Der Regen setzte ein und ich war
in Sekundenschnelle durchnässt. Ich lies es zu. Mich durchpusten. Denken war
nicht möglich. Die Großen mittlerweile am sicheren Fenster . Dann schossen
Wassermassen gegen die Fenster , auf dem Balkon zu bleiben wäre Irrsinn
gewesen.
Ein Baum war auf die Fahrbahn gegenüber gekippt, die Feuerwehr wurde alarmiert.
Dann musste der Freund unserer Tochter zum Einsatz in den Nachbarort
und der Spass war ein für alle mal zu ende.
Kerzen wurden angezündet.
Am Fenster beobachtete wir gemeinsam das Naturschauspiel . Sahen wie die
Eberesche zu Boden ging. Keine Schäden, keine Verletzungen. Gut so.
Der Sturm flaute ab und die ersten Nachbarn ( Männer) fanden sich auf der
Straße um die Rinnen freizumachen, damit das Wasser abfließen konnte.
Auch die Feuerwehr kam , verzichtete aber auf die Hilfe der Freiwilligen,
weil die Gefahr zu groß war, dass ein Idiot in die Baum-Unfallstelle fuhr.

Ich war aufgewühlt. Als ich auf dem Balkon im Sturm stand war ich dem
Schicksal gegenüber so dankbar, dass ich nicht in Zelten oder auf der
Straße lebe. Das "mein" Haus hielt und dass ich nicht allein war in dieser
stürmischen Zeit.
Die Großeltern wurden angerufen und teilten Beruhigendes mit. Alles
gut gegangen.
Der Feuerwehrmann signalisiert ... wird spät , aber bei mir alles ok.

Und dann, ist der Spuk vorbei.
Was bleibt, ist die Erinnerung an einen großen Sturm, den ich so
noch nicht erlebt habe.
Ich denke an die Bauern mit ihren Feldern durch die ich vor ein paar Tagen
noch gefahren bin.
Ob da großer Schaden entstanden ist. Existenzen gefährdet sind.
Eine Freundin, die vor kurzem in ihr neues Haus einzog, erzählte heute, dass
ihr Keller voll Wasser und das Dach 1/4 abgedeckt wurde.
Und sie allein mit Hund zu Haus, denn der Mann ist ... bei der Feuerwehr und
war die Nacht über unterwegs.

Und so bin ich dankbar für die Menschen die bei mir waren, für das schützende
Dach über meinem Kopf und für die Erfahrung, dass draußen vor meiner Türe
sehr viel Natur ist. Ich sehe sie nur nicht.

Das Feld während meiner Radtour am vergangenen Samstag.







Kommentare

  1. Hi,
    Es freut mich das du und die deinen die Unwetter gut überstanden haben.
    Alles gute an den Freund deiner Tochter!
    Die wahren Helden!

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