Regentag-Zeit für die Vergangenheit

Wir hatten den versprochenen Regentag.
Schöner, ruhiger, beständiger Regen.

Keinen Meter habe ich vor die Tür geschafft, bis auf die Hunderunden .
Dafür bin ich sehr weit gereist .
Bis ins Jahr 1877. Zu einem Verwandten meiner drei großen Kinder.
Ja, heute hatte ich Zeit für mein Hobby, die Familienforschung.

1877 wurde der Ururgroßvater meiner Kinder geboren.
Wie es wohl war , in dieser Zeit zu leben ?
Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung was da in Deutschland,
auf dem Land los war. Auch nicht in den Städten.

Was mir bekannt ist, dass es noch keinen Bergbau in unserer
Stadt gab. Damit ging es erst 1904 los.
Ackerer ... steht in einer der Urkunden.
Seine Eltern und auch er waren also Bauern.

Und mit seine Hände Arbeit ernährte er 15 Kinder, deren Kindheit
sich von meiner sicherlich sehr unterschied.
Sechs bzw. neun Kinder in dieser Zeit auszutragen und gebären,
eine Leistung. 
Seine erste Frau bekam in acht Jahren sechs Kinder. Elisabeth
starb mit 35 Jahren. drei Monate nach der Geburt ihres letzten Kindes.
Das war 1912.
Da stand der Vater mit Kindern im Alter von 3 Monaten bis 8 Jahren alleine
da.
1914 heiratete er seine zweite Frau, vier Wochen vor Beginn des 1.Weltkrieges
Christine war 27 Jahre alt, Wilhelm 35 Jahre.
Sie gebar ihm neun Kinder.

7 Söhne , zwei davon fielen im 2.Weltkrieg. Auf einem der Totenzettel steht,
dass die Familie auf den Sohn wartete und dann die Nachricht erhielt, dass
der Sohn bereits ein Jahr vorher gefallen war.

Einige seiner Kinder habe ich kennengelernt.

Da war zum Beispiel seine Tochter Elisabeth. Die Patentante meiner ehemaligen
Schwägerin. Sie war aus dem kleinen Dorf , ganz im Westen Deutschland, nach
Berlin gegangen um dort als Hutmacherin zu arbeiten. Ein Familie gründete sie
nie. Später arbeitete sie noch in der Bahnhofsmission in Berlin, bis sie im Alter
beschloss wieder zurück in das kleine Dorf zu ziehen. In Absprache mit meiner
ehemaligen Schwiegermutter, zog sie in eine Wohnung ganz in der Nähe und
konnte dort bis zu ihrem Tod bleiben. Als sie sich nicht mehr alleine versorgen
konnte, kam ein Pflegedienst und den Rest übernahmen Schwiegermutter und
Schwägerin. Ich habe dieser Dame, denn das war sie, ab und zu Gesellschaft
leisten dürfen. Eine sehr gebildete und weltoffene Frau.

Seinen Sohn, den Vater meiner Schwiegermutter lernte ich nie kennen. Er
starb lange, bevor ich in die Familie kam.

Tochter Maria, von allen Tante Maria genannt, hatte erst ein schönes Leben,
als ihr Mann endlich starb. So hat es Schwiegermutter immer erzählt. Auch
sie lebte in einer Wohnung, in der Nähe der Nichte und wurde von der Familie
gepflegt, als es nicht mehr ging.

Meine Schwiegermutter(78) ist so groß geworden, dass man für die ältere
Generation da ist. Und heute lebt sie mit ihrer Tochter (48) und ihrem Mann
( 81) in einem Haushalt. Auch meine Schwägerin hat keine eigene Familie
und das "Los" gezogen für die "alten Herrschaften" da zu sein. Ihr Bruder, mein
Ex kommt auf nen Kaffee vorbei und das war es. Aber das wundert mich nicht,
er hat ja auch keine Zeit für seine Kinder





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