Erkenntnisse

Jahrelang, um genau zu sein, 10 Jahre lang war mir nicht klar warum mein
Ex-Ehemann und Vater meiner drei großen Kinder sich nicht mit mir unterhalten
kann/konnte bzw. will/wollte.
Es ging mir nicht in den Kopf, ich konnte es bis zu einem gewissen Grad zwar
nachvollziehen, aber da waren/sind immer die Kinder und ich habe/hatte die
Einstellung wir bleiben Eltern, egal was passiert.
Über die Jahre habe ich mich daran gewöhnt und je älter die Kinder wurden,
desto mehr regelten sie das selber. Gut so.
Er ist immer noch mit unserem Scheidungsgrund zusammen, ihr Angebot vor
ein paar Jahren, wir könnten doch Freundinnen werden, habe ich nicht angenommen.
Der Mann selber wirkte immer wie auf der Flucht vor mir, wenn ich seinen "Tanzbereich"
kam und war nicht in der Lage sich mit mir zu unterhalten. Seine Freundin schon.
Und heute kam dann die Veränderung.
Er wollte zu unserer Tochter, die aber nicht da war. Also bin ich zu ihm runter und
nahm in Empfang, was er ihr zugedacht hatte. Plötzlich spricht er mit mir. Also mehr
als Hallo und Tschüss. Über unseren ehemaligen Arbeitgeber, über unsere Kinder !!,
über unsere ehemalige Werkstatt - Huch. Zehn Minuten. Wow.
Und ich ?
Gehe zurück in die Wohnung. Setze mich auf mein Sofa . Wundere mich.
Ziehe mich kurz in mich zurück. Ja, ich habe mich gefreut, wie ein normaler Mensch
behandelt zu werden. Genieße es . Dann ist das Gefühl vorbei und ich merke.
Es gibt keine anderen Themen die uns verbinden.
Ich warte auf kein weiteres Gespräch mehr. Ich bin frei . 



Abends ist Mutter-Tochter-Stunde. Da gehöre ich ganz meiner kleiner Tochter.
Heute haben wir zusammen fern gesehen. Die Sendung heißt woozle goozle .
Ihre Lieblingssendung, die ich noch nicht mit ihr geschaut habe. Heute kam das
Thema Erdöl.
Und wie wir Menschen mit dem Erdöl Tiere töten.
" Mama, wir aber nicht - oder ? Wir werfen unseren Müll nicht in das Meer,
wir wohnen ja weit weg ."
Ich traf eine Entscheidung.
Die Wahrheit. " Doch mein Schatz, auch wir töten Tiere mit unserem Plastikmüll "
Dann erklärte ich ihr kindgerecht wie unser Plastik ins Meer kommt. Worin in unserem
Alltag  überall Erdöl/Plastik ist.  Das wir auch eine Teilschuld haben und wie wir es
vielleicht nicht ganz verhindern können, aber versuchen können Plastik zu vermeiden,
wo es in unseren Kräften steht.
Keine Frage vom Kind. Schweigen. Ich kenne das, die Fragen kommen ein anderes Mal.

Erkenntnis: Mein Baby ist kein Baby mehr. Sie sorgt sich um Delphine, Fische , Wale im
Meer. Sie wird wach .





Kommentare

  1. Denkwürdige Augenblicke, würde ich mal meinen. Passen irgendwie doch sehr gut in die aktuelle Zeit, die Übergangsphase...
    Laß Dir schon mal ein schönes Wochenende wünschen und vor Allem lass es Dir gut gehen. Bis bald!

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Sammlerin,
    das klingt schön :) Hoffentlich sorgt sie sich weiterhin - bei den meisten Menschen stoppt das leider, sobald man kein Kind mehr ist...
    Ich freu mich für dich, dass du nun frei vom "Rede-mit-mir-Zwang" bist! :D

    Alles Liebe,
    die Feri

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Feri,
      das ist leider war, dass man es als Erwachsener vergisst oder nicht mehr möchte. Sich einsetzen. Die Großen die noch zu Hause wohnen legen da
      keinen so großen Wert drauf und verstehen auch nicht meine kleinen Aktionen.
      Zum Beispiel keine Tütenessen, nur frisch gekocht oder keine Plastiktüten zum Einkauf . Wichtig ist es mir ein Saatkorn, eine Erinnerung zu pflanzen, vielleicht geht es irgendwann auf. So wie bei mir, die sich jetzt mit Ende vierzig an vieles erinnert, dass die Eltern gesagt oder vielmehr getan haben und das man als Kind/Jugendlicher abgelehnt hat.

      Liebe Grüße
      die Sammlerin

      Löschen
  3. Gehaltvoller Tag!

    Liebe Grüße
    Bodecea

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen