Küchengeschichten 2/16



Die erste Küche die ich kennenlernte war natürlich die meiner Eltern.

Bei meiner Geburt in den sechziger Jahren lebten meine Eltern und mein Bruder
in einer Bergmannssiedlung.
Vier Familien in einem Haus, acht in einem Block.
Alle Wohnungen gleich groß. Knapp 50 Quadratmeter.

Wir Geschwister teilten uns ein Kinderzimmer, das gerade mal acht Quadratmeter groß
war.
Gekocht und gegessen wurde in der Kochnische.
Ein Holzkohleofen, der zum Heizen und Warmhalten diente, ein Elektroherd mit
4 Platten und Backofen. Ein Kühlschrank.
Das war die eine Seite der Küche.
Auf der Kopfseite war Platz für ein Schubladenschränkchen, einen Spülstein und
einen integrierten, schmalen Wandschrank.
Gegenüber den Öfen stand in der Ecke ein Tisch. Direkt unter dem kleinen Küchen-
fenster. Wenn wir zu viert essen wollten, wurde der Tisch mitten in die Nische gerückt.
Ich saß als kleinste in der Ecke, mein Vater an einem Kopfende, meine Mutter quasi
zwischen Tisch und Öfen, meinem Vater gegenüber mein Bruder, dessen Stuhl im
Türrahmen zum Wohnzimmer platziert war.

So war die Küche noch bis zum Tode meines Vaters im Jahre 2001 eingerichtet. Danach wurden
die Wohnungen umgebaut und meine Mutter bekam ihre erste Einbauküche. Kochen tut sie hier nur
noch selten. Backen gar nicht mehr.

Gespült wurde damals auf dem Küchentisch in zwei Emailleschüsseln.
In einer befand sich das Spülwasser, in der anderen wurde das Geschirr
zum Abtropfen hineingestellt.
An diese Schüsseln erinnere ich mich noch gut. Darin wurde auch immer
der Rotkohl gewaschen und ich stibitze mir das rohe Kraut.

Auf diesem engen Raum kochte meine Mutter für unsere Familie das tägliche
Essen. Stellte alle Vorräte, wie Marmelade und Eingemachtes her.
Mein Vater fuhr mit seinem Fahrrad, nach der Schicht oder am Wochenende übers
Land und schaffte Brombeeren, Holunder, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Quitten, Mirabellen
Kirschen usw. herbei.
Im Keller gab es einen Vorratsraum .
Auf der einen Seite stand ein Regal . Darauf befanden sich gefüllte Weckgläser.
Gegenüber eine Gefriertruhe . Dort wurde das Fleisch und Gemüse ( Bohnen usw.)
eingefroren. Einmal im Jahr teilten sich meinen Eltern mit einer befreundeten Familie
ein Schwein. Am Schlachttag stand meine Mutter den ganzen Tag im Keller und
in der Küche und versorgte die Vorräte.
Im Nebenkeller wurden neben den Kohlen zum Heizen, auch die Kartoffeln und
Zwiebeln aus eigenem Anbau gelagert.
Denn einen Gemüse- und Obstgarten hatten wir auch. Klein aber fein.
Dort baute mein Vater Möhren, Zwiebeln, Kartoffeln, Salat,Radieschen, Petersilie, Schnittlauch,
Rot- und Weißkohl, Wirsing, Erdbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren und Himbeeren
an. 

Wie ganz anders ist es heute bei mir.

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