Das Leben ist nicht planbar

Dieser Satz hat sich in den vergangenen zehn Tagen wieder einmal bewahrheitet.

Mein Sohn hat, nach langem,zähem Suchen eine Wohnung gefunden. Samstag letzte Woche
kam er freudestrahlend mit der Information nach Hause. Ich war und bin so glücklich, dass
er es endlich geschafft hat. Das war eine lange Geburt.
Die Freude währte nur kurz auf meiner Seite, denn nur wenige Stunden später überraschte
meine 18jährige, bald 19-jährige Tochter mich mit der Nachricht, dass ihr Freund und sie
beschlossen haben zusammenzuziehen und sie auch schon eine Wohnung hätten, am 01.09.
sind sie weg.
Welch ein Schock.
Geplant war, dass ihr Freund seine Lehre in 07/17 beendet ( ihre hat ja erst am 01.08.16 begonnen)
und sie dann auszieht.
Im meinem Herzen ist die Enttäuschung groß, dass sie sich nicht an die Abmachung hält,obwohl
sie weiß, welcher Rattenschwanz daran hängt.
Für mich heißt das jetzt, innerhalb von sechs Monaten "angemessenen" Wohnraum finden.
Angemessen im Sinne der Behörde, bedeutet für mich und die Kleine 60-65 qm, 404 Euro Kaltmiete
inklusive Nebenkosten.
Während ich diese Zeilen schreiben, laufen mir wieder die Tränen übers Gesicht.
Ich war mir in den vergangenen Tagen Wohnungen angucken, die diesem Preis entsprechen.
Zwei Stück.
Es sind 2 Zimmerwohnungen, beide im Dachgeschoss, ohne Balkon.
Aus der Traum vom eigenen Schlafzimmer. Entweder im Wohnzimmer schlafen oder wieder
mit dem Kind in ein Zimmer.
In dieser Woche für mich eine Horrorvorstellung.
(Die Vermieter lehnen jedoch Mieter ohne eigenes Einkommen ab)

Keine Nacht habe ich geschlafen, viele Tränen habe ich vergossen.
Der Hund zieht auch mit der Tochter aus, das macht mir Sorge. Ronja wird neun Jahre alt
und war noch nie länger als 3-4 Stunden alleine. Jetzt wird sie von 7.00 - 17.00 Uhr alleine
sein, in einer Wohnung mitten im Zentrum der Stadt leben.
Auch macht es mir Sorgen, dass die jungen Leute die finanzielle Situation nicht richtig ein-
schätzen. Das höre ich aus den Gesprächen heraus.
Meine Tochter ist für Worte nicht mehr zugänglich. Ihre großen Geschwister haben es ver-
sucht , ich auch. Sie freut sich auf ihre Wohnung - 60 qm,  2ZKDB. Sie ist teurer als die, die
ich mir suchen darf.

Ihre Brüder, die nach mehreren Versuchen aufgegeben haben, sagen : Lass sie laufen, dann
auf die harte Tour.
Doch für mich als Mutter ist das schwer.

Ich habe viel gebetet in dieser Woche - um Kraft für mich, um eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern, um Arbeit ( nach zehn Jahren Erwerbslosigkeit muss es doch mal gut
sein) , um Schutz für mich und meine Familie.

Dann vor zwei Nächten wurde ich auf einmal ganz ruhig.
Von einer Minute zur anderen konnte ich mich freuen.
Für mich.
Welch eine Chance.
Ein riesiger Keller voller Kram noch aus meinem "alten" Leben als Ehefrau.
Ich werde nichts davon mitnehmen, ausser Fotos - Kindheitserinnerung der
drei Großen.
Dort schlummern Träume, die sich längst überholt haben.
Es wird Zeit neue Träume zu träumen.

Von einer gemütlichen Wohnung mit zwei Schlafzimmern und einem Balkon, in unserem
Stadtteil, damit die Kleine hier zur Schule gehen kann und nicht bereits im ersten Schuljahr
wechseln muss.
Von einem Leben, in dem ich nicht mehr auf die Bedürfnisse meiner Kinder Rücksicht nehmen
muss, sondern sagen kann - ich möchte das so. Und dann kommt die Kleine.
Es wird Zeit, nach 11 Jahren immer schauen das es den Großen gut geht, zu schauen, dass
es mir gut geht. 

Es gibt Möbel, die möchte ich einfach nicht mehr mitnehmen. Platz für neue Ideen.

Jetzt vertraue ich auf die Kraft, die mir dieses Gedanken schickte.
Es wird gut werden.
Gut für mich und die Skorpionin.
Gut für die Große und den Langen.

Nachtrag: Mein Ältester(26) der in Köln in einer WG lebt, zieht gerade in diesen Tagen um
Zu seiner großen Liebe in die Wohnung.  Seit sechs Jahren kennen sie sich.

Eine Familie beschreitet neue Wege.


Kommentare

  1. Ich halt dir alle Daumen, dass du die richtige Wohnung für dich und die Kleine findest. Das mit dem Hund macht mir allerdings schon Sorgen - wärs nicht besser, der bliebe bei dir?

    *knuddlesmalganzdoll*

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    1. Hallo Zaubsie, das mit dem Hund macht mir auch große Angst. Aber meine Priorität muss auf dem Schulkind und seinem Schulweg liegen.Wenn es dann mit Hund geht - sehr gut. Aber wenn nicht...
      Abwarten. Die Suche hat begonnen. Die Wohnungen die ich mir angesehen habe, passten bisher nicht.

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  2. Liebe Sammlerin,
    ich drücke dir die Daumen, dass du eine gute Wohnung findest! Schön, dass du inzwischen die Befreiung sehen kannst, die in so einem Schritt liegt. Vielleicht klappt es ja auch mit einem Job :-)-
    LG
    Bodecea

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