Kommunikation - ein mir wichtiges Bedürfnis

 
Kommunizieren wir heute mehr miteinander, weil wir mehr Möglichkeiten haben ?
War früher alles besser oder einfach nur anders ?

Es gibt Dinge/Handlungen die mag ich nicht.
Menschen sitzen an einem Tisch zum Essen . Einige schauen immer wieder oder
hauptsächlich auf ihr Handy oder Tablet.
Halt.
Ich mache das auch. Es ist so eine blöde Angewohnheit.
Meine Freundin ist frisch verliebt , wir treffen uns auf einen Kaffee und ihr Handy
bimmelt und bimmelt . Und sie liest und lacht . Dazwischen unterhält sie sich
mit mir.
Kennt ihr - oder ?
Manchmal finde ich das echt ätzend. Ich frage mich warum sitzen wir hier. Bin
ich als Gesprächspartner so überflüssig ? Manchmal mache ich es selber.

Meine Tochter und auch mein Sohn, haben oft ( vor ihrem Auszug) mit ihren
Freunden geschrieben. Wenn sie am Tisch saßen oder im Raum standen.
Ich kann mich erinnern, dass ich meinen Vater wahnsinnig gemacht habe,
wenn ich mit meiner Freundin ( sie wohnte nebenan) stundenlang das Telefon
im Flug blockiert hatte. Nur um am Schluss des Gespräches zu sagen, ich
komme jetzt rüber.

Seit meine großen Kinder ausgezogen sind ist es still geworden. Vor allem
mir fehlen die Ansprechpartner. Am Abend spüre ich das am Stärksten.  Darum
mache ich mir Gedanken über mein Bedürfnis zu kommunizieren.
Wir froh wäre ich jetzt über einen Menschen, der zwar in sein Handy tippt, aber
doch bereit ist mit mir zu sprechen.
Wenn die Kleine schläft, dann bin ich mit mir alleine. Selbst der Hund zum Unter-
halten ist ausgezogen. Ich fühle mich nicht einsam. Ich kann mir auch selbst ge-
nügen.
An manchen Tagen jedoch , gab es außer der Unterhaltung mit den Einzelhandels-
kaufleuten in meinem Supermarkt niemanden mit dem ich gesprochen habe.
Ich schaue mal wieder zu meiner Mutter, die seit 15 Jahren Witwe ist und zu der
ich mal gesagt habe, du musst dich einfach beschäftigen. Super. Tochter.
Heute denke ich da ein wenig anders.
Nach nur einem Monat fällt mir auf, wieviel wir miteinander geteilt und gesprochen
haben.
Bin ich zu anspruchsvoll ?

Mir fehlt die hörbare Ansprache.
Mir fehlt der Gedankenaustausch.

Letzte Woche auf dem Sofa kam mir der Gedanke, dass ich langfristig gesehen
nicht mit meiner Tochter alleine leben möchte. Ich möchte in einer Wohngemein-
schaft leben. Ob jetzt hier oder anderswo ist im Moment nicht wichtig. Aber
ich brauche Menschen um mich herum. Mit denen ich meinen Alltag kommuni-
zieren kann. Gefühle, Ängste, Träume ...

Was ich nicht möchte ist, Abend für Abend vor dem PC zu sitzen und zu schauen
wer online ist. Wen ich mal an quatschen möchte.

Ich möchte etwas ändern in meinem Leben.
Kommunikation nicht nur lesen. Auch hören.
Nicht nur am Leben der Fernseh- und Filmakteure teilnehmen.
Sondern am Leben echter, realer Menschen. Die mir auch mal auf den Keks
gehen.

Ich kann mich an eine Zeit in der Siedlung meiner Kindheit erinnern, da traf man
sich draußen . Groß und Klein. Wäsche aufhängen, Garten, Sandkasten.
Ich lebe in einem Miethauskomplex, bestehend aus drei Häusern mit 6 Familien.
Hier leben ca. 60 Menschen und du siehst nie jemanden. Außer er huscht zum
Auto. Alle haben Balkon - du siehst niemanden.
Wie soll da Kommunikation stattfinden ?
Auf dem Spielplatz selten Kinder. Wo sind die ?
Gut - während der Schulzeit , teilweise bis 16.30 Uhr in der Schule . Oder
mit Hausaufgaben beschäftigt.
Mein Gegenübernachbar ist gestorben und ich erfahre nur durch Zufall.
Meine Nachbarin liegt seit zwei Wochen im Krankenhaus und es ist nie
jemand von der Familie anzutreffen, um mal nachzufragen wie es ihr geht.
Manchmal komme ich mir vor wie Else Kling, weil ich horche, wer die
Treppe raufgeht.

Ich bin kein Mensch mit Kontaktschwierigkeiten. Wirklich nicht.
Und doch fehlt es mir an Kommunikation.
Zeiten für mich habe ich oft, vor allem seit mein Haushalt sich halbiert
hat. Ich muss nicht mehr mit dem Hund raus und auch diese Menschen,
die ich dort traf, fehlen mir.

Wie sagte mir eine ältere Dame heute morgen, mit der habe ich mich
über dieses Thema sprach.
" Es wird noch schlimmer. Wenn sie nicht mehr aus dem Haus können,
darauf angewiesen sind, dass jemand zu ihnen kommt. Zum Telefonieren
hat niemand mehr Zeit und zum Besuchen sowieso nicht ."





Kommentare

  1. Des ständige Handy-Gegugge nervt mich auch tierisch. Für mich ist das ein absolutes NoGo. Ganz egal, welche Nachricht da gerade auf welchem Kanal eintrudelt - es wird ja wohl bis _nach_ dem Essen Zeit haben!

    Sowas sollten eigentlich Kinder von ihren Eltern lernen, dass die gemeinsame Mahlzeit wichtig ist und dass da weder Handys noch Comics noch Spielkonsolen oder was auch immer etwas dabei verloren haben. Dummerweise "lernen" die Kids von ihren Eltern heute viel zu oft das Gegenteil: Dass das Handy wichtiger ist als alles andere. :(

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  2. Hallo!

    Dein Beitrag hat mich sehr angesprochen, denn es geht mir auch manchmal ein wenig so seitdem die Kinder ausgezogen sind.

    Trotzdem macht es mich wütend, wenn sie da sind - was selten genug ist - und sie dann auch noch am Handy rum spielen!

    lg
    Maria

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