Schlagwort: Minimalismus

Minimalismus ist in aller Munde und hält Einzug in die Haushalte.
Außer bei einigen wenigen Bloggern und Nutzern der sozialen Medien, bin
ich mir nicht so sicher, ob diese Menschen, das wirklich machen oder nur
drüber schreiben.

Absolut authentisch finde Maria und  einab. 
Hier geht es nicht nur um Minimalismus, sondern auch um Nachhaltigkeit, ein weiteres
Schlagwort. Aber wie gesagt. Diese beiden Blogs sind für mich authentisch.
Ich freue mich über weitere Vorschläge eurerseits.

Bei Facebook war ich in einer Gruppe und nach kurzer Zeit wieder weg. Fühlte sich
falsch an.

Über den Begriff mache ich mir so meine Gedanken.

Meine Mutter , Jahrgang 1936, findet diese Aktionen Minimalismus und Co. zum
Lachen. Sie kommt aus einer Zeit, da schrieb man das Wort Armut groß. Zehn
Geschwister hat(te) sie und bis auf zwei, sind alle über den Krieg gekommen.
Nach dem Krieg, mit 19 lernte sie meinen Vater kennen. Sie gründeten eine Familie
und ich kann mich an meine Kindheit erinnern. Viel Geld hatten wir nicht.
Viel gekauft haben wir auch nicht. Ich habe an anderer Stelle bereits über die
Küche und damit den Haushalt meiner Mutter geschrieben.
Kleidung zum Beispiel gab es zweimal im Jahr. Frühjahr und Herbst. Nicht
zwölf Monate im Jahr. Ich war die Ausnahme. Meine Füße ....

Heute habe wir uns so zu-gekauft, dass wir das Ablösen zelebrieren müssen. 
Wer Konsum meidet ist hipp.
Oder - jemand hat kaum Geld um etwas zu kaufen und macht aus der Not eine
Tugend.
Das fällt mir auch oft auch. Bei mir selber.
Wenn ich mir etwas nicht leisten kann, weil die zehn Euro pro Tag für zwei
Personen aufgebraucht sind, dann rechtfertige ich den Nicht-Kauf mit dem
Hinweis auf Konsumverzicht oder so.

Traurig. Aber ich schäme mich manchmal der Armut. Denn das ist es.
Kein Geld zu haben um sich das Notwendigste zu kaufen.
Kein zweites Paar Schuhe im Winter zum Wechseln, nicht aus Kult.
Seit zehn Jahren dieselbe Winterjacke nicht damit zu begründen, dass
ich Konsumverzicht betreibe, sondern schlicht nur Geld hatte für neue
Hosen. Ja - ich gehe in Second-Hand-Läden . Weil ich für manche Dinge
auch nicht bereit bin, viel Geld auszugeben. Nicht weil ich es nicht habe,
sondern weil ich es nicht möchte. In der Kleinstadt gibt es viel für Kinder,
aber Erwachsenenkleidung und dann noch Größe 50....

Bald lebe ich nicht mehr vom Staat und habe noch weniger Geld in der
Tasche. Da kommt es gut, dass die Kastanien gerade fallen und ich versuchen
werde mir das Waschmittel selber herzustellen. Es spart immerhin die Flasche
Waschmittel für 2,59 Euro mit der ich einen Monat hinkommen.
Mit zwei Personen habe ich zwei Maschinen Wäsche in der Woche.
Vielleicht komme ich auch zwei Monate damit aus.
 Ich finde die Aktionen, die echten, wirklich gut. 
Ich habe meinen Kleiderschrank von Kleidungsstücken befreit, die ich seit Jahren
nicht mehr angezogen habe. ( Danke Maria für Deine Berichte)
Im Kleiderschrank des Schulkindes liegt nur Wäsche, die sie wirklich anzieht und
nicht vielleicht irgendwann mal.
Wir bekommen viel geschenkt und verschenken.

Ich bin glücklich in meinem Leben und manchmal auch verzweifelt.

Minimalismus heißt für mich, mich mit Dingen zu umgeben, die ich minimal
brauche um mich in meinem Zuhause und meinem Leben wohl zu fühlen.
Manchmal bestimmt das mein Geldbeutel, manchmal einfach ich.

Ein einfacher Lebensstil.

Für jeden Menschen sieht er anders aus.
 

Kommentare

  1. Genau wegen dieser Gedanken die Schmier auch schon gemacht habe halte ich von Minimalismus gar nichts.

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Briganti!

    Da schreibst Du über einen sehr wunden Punkt der Minimalismusbewegung. Freiwilliger Verzicht vs. Armut - meine Eltern wurden auch in den Krieg hinein geboren und haben bittere Not kennen gelernt.

    In der darauf folgenden Aufbauzeit, in die ich hinein geboren wurde, waren wir auch nicht gerade mit Reichtum gesegnet. Aber wir hatten alles, was wir brauchen und das war gut so.

    Wir konnten uns auch über etwas freuen. Das geht mir bei der Generation "ich kaufe was ich will, auch wenn ich es nicht brauche" ab.

    Da ich alleinerziehende Mutter von 2 Kindern bin, habe ich gelernt mit wenig Geld auszukommen. In der Zeit, wo es eine Notwendigkeit war, habe ich mich nicht immer gut gefühlt und kann Dir das sehr gut nachempfinden!

    Heute habe ich im Grunde sogar noch weniger Geld als damals, weil ich meine Arbeitszeit freiwillig reduziert habe. Ehrlich gesagt macht es manchmal kein so gutes Gefühl, wenn ich merke, dass es sich in dem Monat - aus welchem Grund auch immer - nicht so gut ausgeht.

    Aber wenn ich mich daran erinnere, dass ich mich selbst so entschieden habe, geht es wieder.

    Und dann macht es ganz viel Freude bei foodsharing mitzumachen, und Kastanien zu sammeln, und eine "neue" Winterjacke (meine war weit über 10 Jahre alt!) im Kostnixladen zu finden.

    lg
    Maria

    AntwortenLöschen
  3. Minimalismus ist bestimmt eine Option, um wieder zu sich selbst zu finden, raus aus dem konsumorientierten Gehabe um ein Augenmerk auf die wirklich wichtigen und schönen Dinge zu werfen. In so fern praktiziere ich das auch. Meine Kleidung kaufe ich, obwohl ich es inzwischen nicht mehr muss, gern second hand beim großen Auktionshaus. Auch mit Kleidergröße 50. Gerade in den größeren Größen wird man da gut fündig. Eine Winterjacke für 5 Euro, eine Tunika für 2... ich kaufe nur noch ganz selten mal neu.
    Lieben Gruß
    Gabi

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen