Das große Schweigen ... oder " Fresse halten" wie der Arzt sagt

Ich hätte es nie gedacht, aber ich kann es.
In der letzten Woche hatte ich  eine Kehlkopfentzündung ( mal wieder ) und meine Ärztin
hat mich krank geschrieben.
Ihre Therapie: Nicht reden

Und so schwieg ich mich durch den Tag. Eine ganz neue Erfahrung. Vor allem weil ich sie konsequent durchzog. Nach dem Arztbesuch bin ich erst einmal einkaufen. Im Supermarkt
meines Vertrauens fiel sofort auf Frau S. ist so still. Kein guten Morgen an alle.
An der Frischetheke lachte mich meine Verkäuferin aus " da bin ich mal gespannt wie lang
du das schaffst " und packte mir meine Waren zurecht. Ich hatte ihr meinen Einkaufszettel über-
reicht, wie in Kindertagen . 

Das Schweigen machte Platz zum Nachdenken. Wer keine Gespräche führt, verbringt Zeit
mit sich selber.
Als erstes fiel mir auf, dass mir meine Arbeit bzw. die Kinder fehlen. Sehr schön !
Dann wurde mir bewusst, dass mir die Zeit mit meinem Kind noch mehr fehlt, als
es mir im Alltagstrubel klar war.
Daher brauchte sie am Freitag auch nicht in die OGS und war bereits um viertel nach
eins zu Hause. Ein besonderes Geschenk, der große Bruder kam spontan in seiner
Mittagspause vorbei. Schön ...auch wenn ich nicht viel sagen konnte.

In dieser Zeit des krank seins - ich fühlte mich nicht krank, konnte nur nicht sprechen - habe
ich mein Tagebuch geführt. Geschrieben und geschrieben.
Zeit und Platz über Wünsche und Pläne in 2017 nachzudenken, rückzublicken auf das
vergangenen Jahr.

Das Schweigen tat mir sehr gut und ich habe es erst einmal mit in meinen Alltag genommen.
Seit gestern gehe ich wieder arbeiten, aber es ist ein fröhlicheres Arbeiten. Innerlich.

Vielleicht bin ich ja angekommen, in meinem neuen Leben.

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