Zuhause lernen und per Hand Geschirr spülen

Komische Überschrift .
Aber genau das ist es was mich in den letzten Stunden so beschäftigt.

Meine Freundin Yvonne hat mir am Mittwoch zwei Bücher vorbei gebracht.
(Die Links führen dich zu amazon) 

Ich war nie in der Schule

von André Stern und

Wir sind so frei

Freilerner-Familien stellen sich vor.

Das Thema , Homeschooling und Freilerner, beschäftigt mich schon länger und so kam
es mir gerade recht etwas intensiver darüber zu lesen.
Eine der Freilerner-Familien ist eine Alleinerziehende, die Geschichte habe ich zuerst gelesen.
In Deutschland gibt es ja die Schulpflicht, dass heißt, Eltern die sich entscheiden,
ihre Kinder zu Hause zu lassen, müssen mit Bußgeldern und viel Ärger rechnen.
Ich könnte mir das als Lebensform sehr gut für mich und die Kleine vorstellen.
Allerdings , kann ich mir auch vorstellen , alleine in einer Hütte im Wald zu leben.
Oder auf einem Hausboot.
Wie gesagt, vorstellen kann ich mir vieles.
Aber wie würde mein Alltag aussehen ? Wie sich verändern ?

Und hier kommt das Geschirrspülen per Hand ins Spiel.
Wenn ich mit der Hand mein Geschirr spüle, dann ist das wie Meditation für mich.
Es entspannt mich ( wenn ich nicht unter Zeitdruck stehe) und es ermöglicht
mir strukturierter zu denken.

Die Skorpionin selber geht zwar nicht mehr meckernd in die Schule, aber sie zählt montags
schon die Tage bis zum Freitag.
Ihre Hausaufgaben macht sie , wenn sie am späten Nachmittag nach Hause kommt.
Da ist es ruhiger, sagt sie und sie kann sich auf ihre Aufgabe konzentrieren.
( Da ich selber in der OGS arbeite, kann ich das gut nachvollziehen )

Sie liest nicht so gerne  und gut , wie manch anderer. Für sie ist es eine Pflichtübung.
Dafür mag sie den Musik- und Kunstunterricht sehr gerne.
Allerdings hat mich eine Erzählung am vergangenen Freitag sehr nachdenklich gemacht:
" Wir hatten heute ja Kunst , " erzählte sie . " Wir haben die ganze Zeit geübt uns richtig
aufzustellen und immer wenn ein Kind laut wurde oder rumzappelte, mussten wir zurück
an unsere Plätze . Dann das alles wieder von vorn. Danach machten wir einen Rundgang
durch die Schule, als würden wir sie nicht kennen. Mama - was hat das mit Kunst zu
tun ? "
Ich habe keine Ahnung welche Situation die Lehrerin dazu veranlasst hat und möchte
mir hier auf gar keinen Fall ein Urteil erlauben.
Und doch kann ich mein Mädchen verstehen, weil sie traurig ist, dass ihr Lieblingsfach
ausfiel.
Wir haben dann spontan am Freitagabend den Wohnzimmertisch zum Basteltisch
umfunktioniert und sie hat ein Winterbild ( " aber nicht für deinen Blog " Zitat ende)
gemalt.

Diese Szene vor Augen wird mir klar, dass mein(e) Kind(er) als sie jünger waren, schon
immer zu Hause gelernt haben. All das, was die Familien in dem Buch erzählen, lief auch
bei uns "nebenbei" . Die Großen kamen allerdings auch um 12.00 Uhr aus der Grundschule
und da wir einen Familienbetrieb hatten, war immer einer da. Eine Betreuung gab es
in der Schule zu der Zeit nicht.
Je länger die Kinder in die Schule gingen, je mehr verloren sie die
Lust am "selbstständigen" lernen. Es wurde gelernt was gebraucht wird und ansonsten
gezockt ( die Jungs) oder gezeichnet und sich mit den Tieren beschäftigt ( die Große). 

Das Geschirr ist gespült und das Thema bei mir noch nicht zu Ende gedacht.

Zur Zeit arbeite ich ja in der Offenen Ganztagsschule und sehe viele Familien-
geschichten. Für manche Kinder ist es gut, dass es diese Möglichkeit gibt.
Wie das bei uns ist, wisst ihr durch meine Erzählungen.
Aber warum kann ich in Deutschland nicht die Wahl haben, ob ich mein
Kind in die Schule schicke oder nicht.
In anderen Ländern gibt es die Bildungspflicht. Wo die Kinder sich bilden
ist unerheblich. Ihre Schulabschlüsse können sie als Externe machen.

Wie seht ihr das Thema ?

Kommentare

  1. Liebe Sammlerin,

    Ganz ehrlich - ich bin froh, dass es in Deutschland so schwer ist, Homeschooling zu betreiben. Nicht wegen der Einzelfälle, wo es für ein Kind und seine Eltern vielleicht wirklich sinnvoller wäre, dem Kind die Regelschule zu ersparen (andererseits gibt es mit den freien Schulen in meinen Augen durchaus genug Alternativen für diese Kids), sondern wegen der ganzen Spinner. Sollten Kinder aus evangelikalen Familien nicht mal in der Schule was über Evolution lernen? Oder solche aus rassistischen Familien ein ekliges Weltbild zu Hause eingebläut bekommen? Was ist mit irgendwelchen spinnerten Salafisten? Oder Missbrauchsfamilien? Oder Chemtrailjünger? Oder...
    Das können imho irgendwelche offiziellen Bildungsziele nicht kompensieren. Die USA mit ihrem erschreckend niedrigen Allgemeinbildungsniveau finde ich da kein Vorbild.
    Und dann fehlen den Kids doch einfach auch die gleichaltrigen Spielkameraden, wenn sie nur mit den Eltern zu Hause hocken.
    Ich bin allerdings (als Nachhilfelehrerfrau) der Meinung, der Schule wird zu viel Gewicht beigemessen. Zu viel Unterricht, zu viel Wichtignehmen der Noten, und oh weh, wehe, das Kind schafft es nicht aufs Gymnasium!
    Das muss in meinen Augen alles nicht sein.
    Ich habe übrigens die Lust am Lernen nie verloren über die Schulzeit, nur waren die Themen nicht unbedingt immer die, die in der Schule drankamen. Aber meine Eltern kümmerten sich eh nicht um meinen Schulkram, so lange ich versetzt wurde, und so konnte ich selbstbestimmt meinen Interessen nachgehen und in geschwänzten Französischstunden amerikanische Bekenntnislyrik lesen *lol*.

    LG
    Bodecea

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  2. Liebe Bodecea, endlich habe ich Zeit Deinen Kommentar zu veröffentlichen und darauf zu antworten.Auch meine Eltern haben sich um meinen Schulkram nicht gekümmert, außer der Wunsch nach einsen und zweien. Radikales Gedankengut im Elternhaus kannst du mit Schule nicht kompensieren, dass ist mein derzeitiger Eindruck während meiner jetzigen Tätigkeit. Jungs, die die weiblichen Betreuerinnen ( es gibt keine Männer ) als Nicht-akzeptable-Frau sehen. Ich könnte stundenlang schreiben. Kinder die in ihrer Freizeit die Moschee besuchen und dir erzählen, dass ihr Lehrer ihnen eine pfeffert wenn sie nicht parieren, drohen dir mit dem Anwalt, wenn du ihnen eine Strafe aufgibst. Zum Thema gleichaltrige Spielkameraden befrag mal die Kinder die bereits im 1.Schuljahr aus Gruppen ausgeschlossen werden und alleine auf dem Schulhof stehen. Täglich.
    Natürlich ist das nur ein kleiner Einblick in mein Universum von täglich 40-60 Kindern.
    Allgemeinbildung ist tatsächlich etwas was den Kindern und den Erwachsenen oft fehlt . Eltern aus bildungsfernen Familien ( furchtbares Wort) unterstützen ihre Kinder oft mehr, als andere. Ja, nicht jede Familie ist geeignet für das ZuHause-Lernen.
    Ich denke auch hier muss man individuelle an die Sache rangehen.
    Was mich bei der ganzen Geschichte stört ist, dass ich keine Wahl habe. Ich, ganz persönlich. Ein Thema über das ich stundenlang sprechen könnte.

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