Sonntagskaffee am Morgen

Die vergangene Woche hatte es in sich.

Sich wieder in den Schul- und Arbeitsalltag einzufinden, war kein großes Ding.

Am Mittwoch besuche ich eine Theateraufführung des Grenzlandtheater .
Gespielt wurde das Stück " Vater " . Inhaltlich ging es um das Thema " Demenz".
Das Theaterstück dauerte 1,5 Stunden , bereits nach einer guten halben Stunde
war ich "raus". Meiner Begleitung ging es ebenso. Wir fanden uns nicht mehr zurecht,
wer war wer und in welcher Zeitspanne spielte es.
Wie gut, dass wir später draußen die Schauspieler trafen und es ganz offen ansprechen
konnten. Der Knoten platze . Ach so ... alles bekam einen Platz.
In den vergangenen Jahren gab es Tage, an denen ich es bedauerte, dass mein Vater so
jung, mit 66 an einem Herzinfarkt starb. Gestern wäre er 82 geworden. Während des
Theaterstückes sah ich den frühen Tod zum ersten Mal als eine Art Geschenk, nicht
einen starken Mann als schwachen, alten und eventuell hilflosen Menschen kennen und
leiden gelernt zu haben. Mein Vater wurde quasi lachend aus dem Leben gerissen.
So bleibt er mir in Erinnerung.

Donnerstagabend , es war schon nach zwanzig Uhr, erhielt ich einen Anruf. Am Telefon
eine ältere, heisere Stimme und ich dachte schon es wäre wieder dieser Mensch der mich
ab und an telefonisch belästigt. Im Gegenteil. Es war ein Vermieter , der sich auf meinen
Anruf Anfang April noch mal melden wollte. Gestern durfte ich nun mit drei Mitbewer-
bern die Wohnung besuchen. Die Vormieterin kenne ich, wir haben uns im KiGa kennen-
gelernt und letzten Oktober über ihren Auszug gesprochen. Eine Mitbewerberin ist eine
Freundin meines Sohnes. Auch wie ich allein erziehend.
Die Wohnung passt genau in die Parameter des Jobcenters. Den Mietpreis bekommt man
hier sehr selten und dann noch in einem gepflegten Haus. Mit Garage, also müssen die
Räder nicht mehr aus dem Keller geschleppt werden.  2. OG ohne Balkon, dafür drei
Zimmer ( also für jeden ein Schlafzimmer) . Wir würden in unserer kleinen Stadt bleiben,
der Schulweg der Skorpionin verlängert sich auf 1,5 km. Sie müsste ihn alleine gehen,
denn aus diesem Viertel besuchen die Schüler die Schule neben dem Mietobjekt.
Zwei Gründe also gegen die Wohnung  : Kein Balkon, längerer Allein-Schulweg..
Nicht wirklich Gründe gegen die Wohnung.
Gestern Abend im Bett dann, dass große Geheule meinerseits. Mir wird klar - ich will
hier gar nicht weg !!! Auch wenn der Wohnraum nicht angemessen ist - ich will hier
nicht weg !!
Es ist jedoch keine Frage des Wollens. Am Freitag habe ich einen Brief vom Jobcenter
bekommen, dass ich ab sofort nur noch Geld für angemessenen Wohnraum bekomme
und für die restlichen zweihundert Euro selber aufkommen muss. Da mir niemand sagen
kann, ob mein Arbeitsvertrag im Herbst verlängert wird , bin ich gezwungen umzuziehen.
Mit Arbeit kann ich mir meine jetzige Wohnung leisten - ohne nicht.
Ich werde also nachher nach dem Frühstück beim Vermieter wie besprochen anrufen und
sagen, dass ich die Wohnung gerne beziehen möchte. Für welchen Interessenten er sich
entscheidet, liegt dann nicht in meiner Macht.

Die Skorpionin bekam von dem Geheule nichts mit, ist sie doch seit langem noch mal
bei ihrem Vater und Geschwistern im Münsterland. Langes Wochenende für die Mutter,
die ihr Kind schmerzlich vermisst und ihre freie Zeit genießt mit Lesen, Aufräumen und
Fernsehen.

Kommentare

  1. Drück dich!
    Alles Gute mit der neuen? - Wohnung.
    Das mit deinem Vater kann ich gut nachvollziehen, da meiner auch mit nur 66 starb und meine Mutti mit Ü70 dement wurde...

    LG
    Bodecea

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    1. Der Vermieter hat sich gegen die A!vorübergehenden und für das Paar entschieden. Am Leben und Sterben Deiner Mama durfte ich ja lesender Weise teilnehmen. Demenz ist so ein entwürdigendes Sterben finde ich. LG

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    2. Alleinerziehende sollte es heißen :)

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