Mein 2. Elternsprechtag bei der Skorpionin

Ja, ich zähle die Elternsprechtage. Bis zum Abschluss ihrer Schullaufbahn werden es
noch unzählige sein, ich bin seit zwanzig Jahren im "Geschäft" und viele Lehrer haben
auf der anderen Seite des Tisches gesessen. Ich habe viel erlebt und bin überrascht, dass
es immer noch Aussagen gibt, die mich aufregen.

Mein erster Elternsprechtag endete ja damit, dass ich heulend nach Hause ging. Das sollte
mir nicht noch einmal passieren und deswegen hatte ich mir überlegt, wie ich am Besten
mit der Situation umgehe.
So ganz hat es nicht geklappt. Ohren auf und durch, ging nicht wirklich.
Aber ich habe meinen Mund gehalten und mich auf keine Diskussion eingelassen.

Die Damen - es sind drei - zicken sich immer noch täglich an, eine Situation die,
die Lehrerin stört und nervt. Ob ich da nicht mal drauf einwirken könnte ?
Außerdem ist meine Tochter immer noch nicht in der Lage die Klassenregel
" Wir rufen nicht in die Klasse, sondern zeigen auf und warten bis wir dran kommen "
einzuhalten, ich möchte bitte auf sie einwirken.

Deutsch ist ganz toll, sie schreibt wunderbare lange Geschichten , die sie leider nicht
vorlesen kann ( die Lehrerin auch nicht), weil nicht alle Laute ausgeschrieben werden.
Hier ist allerdings keine Handlungsbedarf meinerseits, das wächst sich aus,sagt die
Lehrerin.
( Die Schule arbeitet nach dem Konzept - schreibe wie du es hörst)

Mathe - ja Mathe . Ganz schlecht. Im zweiten Halbjahr des 1.Schuljahres benutzt sie
leider immer noch ihre Finger zum Rechnen und das geht ja so gar nicht. Wie soll sie
denn bitte schön im zweiten Schuljahr klar kommen, da scheint sich wohl eine Rechen-
schwäche anzubahnen.
( an diesem Punkt habe ich als Dyskalkulietrainerin mal eben die Luft eingezogen und
langsam wieder raus gelassen - aber ( Schulterklopfen ) geschwiegen )
Da noch weitere Kinder dieses Problem haben , wird jetzt verstärkt Kopfrechnen geübt.
Das Kind hält in der Schreibhand den Stift den es auf keinen Fall loslassen soll und die
andere Hand kommt unter den Oberschenkel. So wird verhindert, dass die Finger ge-
nutzt werden. Ergebnis : von zehn Aufgaben hat meine Tochter keine gelöst.
( Meine Tochter sagt selber dazu, das sie erstens nicht so schnell ist wie die Aufgaben
diktiert werden und zweitens Angst hat was falsch zu machen und daher lieber kein
Ergebnis hinschreibt. Sie möchte ihre Lehrerin nicht enttäuschen )
Ich bin gebeten worden , jeden Tag mit dem Kind Kopfrechnen zu üben und dabei drauf
zu achten, dass sie ihre Finger nicht benutzt .

Als die Lehrerin fertig war, habe ich mich bei ihr für die Tipps gedankt und bin gegangen.

Ich weiß, dass die Skorpionin es nicht so mit Zahlen hat. Allerdings spürt sie den Druck
der Lehrerin und will jeden Abend noch lernen und morgens vor der Schule auch.
Sie hat Angst vor der Lehrerin nicht zu bestehen.
Ich weiß jetzt warum mein Kind nicht gerne zur Schule geht. Im ersten Schuljahr.
Heute morgen beim Frühstück habe ich ihr versprochen, dass ich ihr helfen werde.
Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Ausbildung habe und mir Materialien zur Ver-
fügung stehen.

Was ich der Lehrerin nicht gesagt habe ist, dass das Mädchen bereits mit Geld rechnet
und im Moment die Uhr lernt. Also nicht die vollen und die halben Stunden, sondern
Minuten, Viertelstunden usw. Na ja, ist im 1. Schuljahr auch noch nicht so wichtig.

Schule soll Spaß machen , vor allem wenn man gerade beginnt.
Leider besteht der Druck bereits vom ersten Tag an.

Vor zwanzig Jahren wurde mein erstes Kind eingeschult. Er ist immer gerne
zur Grundschule gegangen, seiner Schwester ist die Freude bereits vergangen.












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